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Kiezmeile: hs
Hoppla, jetzt kommen die „Poeten“!
„Poeten-Schlacht“ im Pinellodrom

Das Pinellodrom am Rathaus Schöneberg mausert sich dankenswerterweise immer mehr zu einer Kleinkunstbühne aller Kategorien. Jetzt, ganz neu, wurde diese Location zum Schlachtfeld umstrukturiert: für die „Schlacht der Poeten“. Der Poet, eigentlich ein Dichter, im weitesten Sinne ein schöpferischer Mensch, weckt Erwartungshaltungen, deren Erfüllung wegen man auch kommt. Poet kommt von Poeta und bezeichnete bereits im Lateinischen den Verfasser sprachlicher Kunstwerke.
Die Handlungsreisenden in Sachen „Poetismus“, gestrandet auf der Bühne des Pinellodroms, zwei Herren und eine Dame, stellen sich der Wertung ihres Vortrags durch das Publikum, das sich durch seine großzügige Toleranz auszeichnet. Der Ansager (der vom Lachwerk) mit dem immer gleichen Opening und der immer gleichen Sängerin, lässt das Publikum im Wertungsklatschen üben. Dieses folgt dem Aufruf fast peinlich gerne! Dann die Matadoren der Schlacht: zwei Herren und eine Dame. Apropos Dame: Man kennt sie – tritt sie doch im „Verlängerten Wohnzimmer“ als Lebensberaterin auf. In dieser Funktion beginnt auch ihr „poetischer“ Vortrag – warum auch immer. Aber sei´s drum.





Die Erwartung, sprachliche Kunstwerke zu hören, wurde an diesem Abend im Sarge der Poesie zu Grabe getragen. Es war eher im Geiste von Didi Hallervorden und seinen gespielten Witzen. Verloren ging einen ganzen Abend lang der Poet, die Suche nach ihm blieb ergebnislos. Aber: Würde das Wort Poet durch Komödiant ersetzt, wäre der Wahrheit genüge getan. Die Poeten-Schlacht ist das Lachwerk im Vorlesen. Warum nicht? Es war unterhaltsam, es war zum Lachen – einfach ein netter Abend, den man gerne zur eigenen Aufheiterung nutzen sollte. Natürlich war nicht jeder Beitrag ein Meisterwerk der Comedy, aber viele Vorträge trugen doch zur allgemeinen Erheiterung bei.
Gewonnen hatte nach Meinung des Publikums nicht der sprachlich versierteste Poet, sondern der Komödiant mit den meisten Lachern. Aber das hat ja auch was!

Die so genannte „Poeten-Schlacht“ findet jeden letzten Freitag im Monat
um 20.30 Uhr im Pinellodrom in Schöneberg,
Dominicusstraße 5-9, statt.

Kiezmeile: hs
Bildhauer Robert Schmidt-Matt
Dem Material seine Ursprünglichkeit lassen

Robert Schmidt-Matt, schaffend in seinem Atelier hoch über der Crellestraße, mit Blick auf die Gleise der historischen Eisenbahnlinie Berlin-Potsdam. Hier ist nicht die filigrane Feder eines Zeichners zuhause, hier wird der Stein traktiert, um Neues entstehen zu lassen. Der Innenraum ist Arbeitsfläche, umrahmt von Köpfen und Objekten früherer Jahre: Reminiszenz an den Beginn, nie vergessend, wie alles begann:
Studium der Malerei (bei Fred Thieler und Gerhard Fietz), Bildhauerei an der HdK Berlin (Meisterschüler bei Prof. Michael Schoenholtz), seit 1984 freischaffender Künstler, seit 1990 künstlerischer Leiter der Sommer­akademie Marburg, seit 2002 Bühnenbilder für das Theaterforum Kreuzberg. Was er sonst noch alles macht - da hilft nur seine Homepage.
Naturstein: heute sein Material, seine Motivation, sein Auslöser für seine Kreativität, die von der figuralen Darstellung völlig gelöst scheint. Seine Objekte lassen dem Material die Ursprünglichkeit. Er arbeitet in der Tiefe des Steins, gestaltet ihn von innen heraus, um dessen Starrheit zu brechen. Symbiose von Künstler und Material, die den Stein zum beweglichen Objekt verwandelt. Durchlässigkeit, durch den Stein hindurch schauen, ihm eine neue Bedeutung geben. Raum schaffen, Raum sichtbar machen.
Weiterentwicklung, loslösen von klassischen Arbeitsweisen, deren Spuren in Berlin vielfältig sichtbar sind. Cuvrystraße (nahe der Oberbaumbrücke) der Brunnen, eine Figurengruppe im Britzer Garten, die an Gedenktafeln erinnern. Und seine künstlerische Auseinandersetzung mit Willi Sänger, deutscher Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Gedenktafel an der Kreuzberger Oppelner Straße 45 und der aus Ruinensteinen gestaltete Portraitkopf über dem Hauseingang. Robert Schmidt-Matt vermied es ein oberflächliches Abbild zu schaffen. Über Art und Wesen Willi Sängers war im Westen wenig bekannt und die Archive im Osten noch nicht zugänglich. So konfrontiert uns Schmidt-Matt mit der Bruchstückhaftigkeit unserer Erinnerung. Er versucht Willi Sängers Widerstand in Beziehungen zu setzen und gleich einem Puzzle anhand von überlieferten Fragmenten einen inneren Zusammenhang erkennbar zu machen. Als Betrachter steht man vor einem Scherbenhaufen, aus dem sich ein Bild erst allmählich formen lässt.
Er ist ein politischer Mensch. Klare, eindeutige Artikulation, die in seinen Werken auf den ersten Blick nicht sichtbar werden: Antifaschismus, Antimilitarismus, nie vergessend den Widerstand gegen die Nazidiktatur. Krönend in München die Aktion „Gedenktafel für die Weiße Rose“. Robert Schmidt-Matt stellte im Siebdruck auf kachelartigen Tonplatten Abbildungen von Flugblättern und anderen zeitgeschichtlichen Dokumenten der Weißen Rose her, die er vor der Universität in den Bürgersteig einließ. Politische Botschaft im öffentlichen Raum, die erst durch Fürsprache der Weiße-Rose-Stiftung von Stadt und Universität übernommen wurde. Und in diesem Jahr wurde das Werk auf dem Geschwister-Scholl-Platz in





München teilweise zerstört, und Robert Schmidt-Matt arbeitet zur Zeit an der Wiederherstellung.
Robert Schmidt-Matt engagiert sich rund um seinen Kiez in den unterschiedlichsten Projekten. So leitet er auch einen Bildhauerkurs an der Ferdinand-Freiligrath-Oberschule, einer Haupt- und Realschule am Kreuzberger Südstern. Dort entstandene Steinskulpturen sind zurzeit in der Ausstellung des Humanistischen Verbandes „Humanismus - Geschichte und Gegenwart“ im Projektraum in der Alten Feuerwache, Marchlewskistraße 6, 10243 Berlin-Friedrichshain, zu sehen. An der Frankfurter Allee (Nähe U-Bahnhof Weberwiese) steht eine größere Arbeit von Robert Schmidt-Matt, die im Rahmen des Bildhauersymposions „Über die Grenzen – Künstler gegen Ausländerhass“ entstanden ist und hat den Titel „Auf Koffern oder ungastliches Haus“. Eine Abbildung ist auf seiner Website unter „Arbeiten im Öffentlichen Raum“ zu finden.

Wer selbst an den Stein möchte, der kann dies in einem Kurs tun. Die Homepage informiert.


Robert Schmidt-Matt
Pücklerstaße 29
10997 Berlin
Tel.: 030 / 6 12 36 42
Fax: 030 / 6 16 274 99
www.schmidt-matt.de
e-mail:
robert@schmidt-matt.de
Atelier: Crellestraße 19/20

kiezmeile: hs
Johan Rohde (1856-1935)
Ein dänischer Künstler der Moderne

Die Ausstellung „Johan Rohde“ zeigt am Lebenswerk eines der bedeutendsten Künstler Dänemarks das ganze Spektrum künstlerischer Äußerungen und wurde anlässlich des 150-jährigen Geburtstages Rohdes konzipiert.
Es ist die erste umfassende Ausstellung über einen der vielseitigsten und wichtigsten dänischen Maler, Graphiker und Entwerfer für Silber, Buchkunst und Möbel.
Der Schwerpunkt der Ausstellung im Bröhan-Museum liegt in der Darstellung seines Gesamtkunstwerks, die in der Kombination von angewandter und bildender Kunst realisiert wird. Gezeigt werden etwa 240 Leihgaben unterschiedlicher Materialien und Techniken.
Johan Rohde war eine der führenden Persönlichkeiten innerhalb der dänischen Reformbewegung um das Jahr 1900 und einer der Initiatoren moderner Kunst in Dänemark. Er fertigte sowohl Entwürfe für Silber als auch für Möbel an.
Berühmt wurden seine herausragenden Arbeiten für die Silberschmiede Georg Jensen. Ohne das Werk Rohdes hätte Jensen, aber auch die gesamte dänische Silberschmiedekunst, nicht den Rang, den sie heute im internationalen Kontext einnehmen. Den Beginn von Rohdes künstlerischem Schaffen markiert jedoch die Malerei, insbesondere Landschaftsbilder und Porträts. Darüber hinaus war Rohde ein wichtiger Kunstkritiker, der mit spitzer Feder an den Debatten seiner Zeit teilnahm.
Als Gegenreaktion auf die etablierte Kunst gründete er 1891 mit anderen in Kopenhagen die secessionistische Ausstellungsvereinigung „Den frie Udstilling“ („Die freie Ausstellung“). Zuvor hatte er bereits Kontakte zu den
neuen Kunstbewegungen in Europa, vor allem zu den Kreisen um Paul Gauguin aufgebaut.





Die Ausstellung ist ein Projekt, das in dieser Form in Deutschland noch nie realisiert wurde und das eine
hierzulande relativ unbekannte Facette der dänischen Kunst präsentiert.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 28. Januar 2007
Di-So von 10 bis 18 Uhr,
an allen Feiertagen geöffnet
(am 24. und 31. Dezember bleibt das Bröhan-Museum geschlossen)
Eintritt: 6,- ¤, ermäßigt 4,- ¤, jeden 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei.
Malerei–Silber–Möbel–Buchkunst
Bröhan-Museum,
Schloßstraße 1a,
14059 Berlin,
Tel.: 030 / 32 69 06 12.

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Galerie im Turm:
Dicke Mauern retteten ein Kleinod der Kunst

Das Ausstellungsprogramm der „Galerie im Turm“ wird im nächsten Jahr unter der Überschrift „Mittendrin“ hauptsächlich Künstlerinnen und Künstler der so genannten „Mittleren Generation“ präsentieren.
Zeichnungen, Bildhauerei und Malerei von Künstlern aus Berlin werden die Ausstellungsfolge bestimmen. In der ersten Ausstellung des Jahres (11. Januar 2007 bis 9. Februar 2007) zeigt die Künstlergruppe Treuka Zeichnungen, die auf Themenvorschläge des Publikums beruhen. Für die Ausstellung werden auch Arbeiten der Gruppe auf den Wänden der Galerie entstehen.
Friedemann Grießhaber zeigt vom 15. Februar bis 16. März. Bildhauerei und Zeichnungen.
Vom 22. März bis 20. April wird Malerei von Michael Kutzner zu sehen sein.

Weitere Informationen zum aktuellen Ausstellungsprogramm gibt es unter
www.kulturamt-
friedrichshain-kreuzberg.de.
Galerieleitung:
Karl-Friedrich Schmalwaßer
galerie.im.turm@freenet.de

Galerie im Turm, Frankfurter Tor 1, Berlin-Friedrichshain
Dienstag bis Sonntag von 14 bis 20 Uhr geöffnet.








Friedrichshain-Kreuzberg heißt der Bezirk. So soll Sie dieser Galerienrundgang über die Oberbaumbrücke zum Frankfurter Tor führen – nach Friedrichshain.
Die im nördlichen Turm des Frankfurter Tores beheimatete Galerie wurde 1965 vom Verband Bildender Künstler in der DDR eröffnet. Schon bald wurde die Galerie zu einem absoluten Renner. Bis zu 600 Besucher kamen an manchen Tagen. Zahlen, von denen man heute nur noch träumen kann. Zunächst sollte der Raum für etwas ganz anderes herhalten, sollte ein U-Bahn-Eingang werden. Der Versuch, zur U-Bahn vorzustoßen, endete an den Grundmauern des Turms, und der Raum blieb als solcher erhalten.
Für den Raum selbst war schon immer der Stadtbezirk Friedrichshain zuständig, der ihn damals an den Verband Berliner Künstler übertragen hat, und der sich ab 1965 intensiv um dessen Ausstattung bemühte und auch das Programm festlegte. Heute wird die Galerie vom Bezirkskulturamt Friedrichshain/Kreuzberg verwaltet, jedoch wird in die Programmplanung nicht eingegriffen. Geleitet wird die Galerie von einer Galeristen-Legende: Karl-Friedrich Schmalwaßer.
Seit nunmehr über 40 Jahren zeigt die Galerie im Turm zeitgenössische Kunst: Zeichnung, Druckgraphik, Malerei, Skulptur und Installation. In jedem Jahr wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt. Überwiegend sind es Berliner KünstlerInnen die ihre Arbeiten präsentieren, aber auch internationale oder noch nicht etablierte Künstler bekommen in der Galerie am Turm ihre Chance. Und einer, der gerne dort ausstellt, ist der in dieser Ausgabe der „Kiezmeile“ vorgestellte Kreuzberger Bildhauer Robert Schmidt-Matt, der sich wieder bei Karl-Friedrich Schmalwaßer um eine eigene Ausstellung beworben hat.
Aber auch die „Stiftung neue Kultur“ - speziell Vorstandsfrau Gabriele Muschter - platzieren immer wieder mit Karl-Friedrich Schmalwaßer Ausstellungen, die bundesweite Beachtung finden. So fand im September - in der schon zu „Ostzeiten“ für einige unbequeme Aktionen bekannten Galerie - der Auftakt einer bundesweiten Ausstellungsreihe zum Thema „Schweigende Glut - Der Wille zur Kunst“ statt.
Der Anspruch, den der Galerist an seine Ausstellungen selbst stellt, ist sehr hoch und die Auswahl immer wieder schwierig. Wo liegen da die Maßstäbe?
Karl-Friedrich Schmalwaßer sagte einmal in einem Interview: „Die Maßstäbe sind letztendlich eine subjektive Angelegenheit. Das hat damit zu tun, wo die eigenen Wurzeln liegen, also in Berlin. Man muss schauen, was aktuell abläuft, also immer auf dem Laufenden sein.“
Zu DDR-Zeiten installierte der Verband des öfteren Ausstellungen von Künstlern aus Polen oder der ehemaligen Tschechoslowakei. Man wollte schon damals den Blick nach außen richten und sich nicht alleine an den Berliner Stadtgrenzen orientieren.

Karl-Friedrich Schmalwaßer:
„Territoriale Begrenzungen spielten in der Kunst noch nie eine große Rolle. Wo zum Beispiel Kreuzberg endet, weiß keiner so genau, und wo die künstlerischen Grenzen sind schon gar niemand.“

Kiezmeile
Kiezmeile feat. P.R. Kantate

Bekannt geworden ist Richard Haus als P.R. Kantate in dem langen und warmen Sommer 2003. Mit dem Reggae-Cover „Görli, Görli“ ritt Kantate über die Plätze, die Bühnen und durch die Radiosender der Stadt. Eine typische Superstarkarriere möchte man denken, aber in diese Schublade lässt sich P.R. Kantate genauso wenig stecken, wie in jede andere.
Auf der Bühne springt der junge Entertainer wie ein Flummi umher, kommentiert seinen Gesang mit einer quirligen Körpersprache und schlüpft mit Hilfe minimaler Kostümierung in verschiedene Rollen. Die Diskokugel auf seinem Kopf ist eigentlich ein Jockeyhelm, mit kleinen Spiegeln beklebt, und gehört zu P.R., dem Plattenreiter, Kantate. Hinter ihm steht dabei seine Band, die er ganz einfach „MEINE BAND“ nennt.
Eine andere Figur, die sich ebenfalls der Musik, dem Reggae, verschrieben hat ist Ras Krass. Ein Weißer, der lieber ein Schwarzer wäre und auf Patois abfährt. In dem Song „Keen Patois“ treffen Ras Krass und P.R. Kantate aufeinander und verhandeln den jamaikanischen Slang gegen den Berliner Jargon. P.R. Kantate kann dabei sowohl musikalisch als auch sprachlich auf beide Kulturen zurückgreifen.




Während eines einjährigen Jamaikaaufenthalts mit 17 Jahren entstehen seine ersten Raggastücke auf Patois, dem jamaikanischen Creole-Slang. Er bleibt Grenzgänger. Immer wieder zieht es ihn in die Karibik, wo er seine ersten Erfahrungen im Studio und im Dub-Geschäft sammelt. Als Künstlername setzt sich P.R. Kantate durch, und 2000 entsteht das Demo-Tape „Berlingua“, dessen Titeltrack 2002 als Maxi-Vinyl vom eigenen Label „Stock und Stein“ auf den Markt kommt.
In „Berlingua“ besinnt sich gebürtige Berliner auf seine Wurzeln und reimt was das Berlinerische hergibt.: „Ja, dit is die rauhe Balina Schnauze / Dit is ja grad dit schaue, da fühl ick ma zu Hause.“
Man müsse den Berliner Jargon sowie andere Dialekte am Leben erhalten und aktiv mitgestalten, darum ginge es, sagt er später in einem Interview. Kein „icke“ oder „wa“ taucht hierbei in seinen Sätzen auf, kaum ein Hauch von Berlinerisch. P.R. Kantate ist ein Charakter, eine Kunstfigur die von Richard Haus mit vollem Herzen und authentisch verkörpert wird.
Auch privat trägt er die markante Schwarzrandbrille, die auf der Bühne noch seine Maske war. Jetzt unterstreicht sie die Ernsthaftigkeit hinter der Figur.
2004, als der Ruhm von „Görli, Görli“ so langsam ver­klungen ist, produzieren
Kantate, Plamper und Ohm zusammen das Hörspiel „Kantomias rettet die Welt. Der Angriff der Klonkrüger“ das zunächst zum Radiohörspiel des Monats September auserkoren und ein Jahr später dann als CD beim Hörverlag erscheint. (1.12. Aufführung beim Hörspielkino unterm Sternenhimmel im Planetarium am Insulaner).
2005 veröffentlicht P.R. Kantate die CD „Kein Album“, und im März diesen Jahres erschien der Renner „Andere Seite“, wieder auf dem eigenen Label. Ebenso 2006 gab P.R. KANTATE sich erstmals Unplugged (akustisch mit Big Band Orchester) die Ehre, im stilvollen Stucksaal des Ballhaus Naunyn. Seit Februar moderiert er jeden letzten Samstag im Monat seine Sendung „PLATTENREITER“ auf Radio Multikulti 96,3.
Das neue Album „Dick in Jeschäft“, ist für den Sommer 2007 angekündigt und „wird ein 80er-Jahre Coveralbum und witzig“, sagt Kantate. Wir sind gespannt!

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Das Wintergarten-Varieté
Grandioses Programm einer Berliner Legende

1880 eröffnet, war der Wintergarten ursprünglich auch richtig im Sinne des Wortes ein, dem luxuriösen Central-Hotel an der Friedrichstraße angegliederter „jardin de plaisanterie“ zum Lustwandeln für die Hotelgäste.
1884 begann die Verwandlung des Wintergartens in ein „Programm- und Verzehrthea­ter“, 1888 gab es schon erste kleine Varieté-Vorstellungen.
Das neue Haus wurde, nach aufwendigen Umbauarbeiten, am 25. September 1992 wieder eröffnet. Von Anfang an begeistert aufgenommen, erfreut sich der Wintergarten inzwischen nicht mehr nur bei seinen Berlinern großer Resonanz. Was der Wintergarten vor ausverkauftem Haus seinem Publikum zum Besten gibt, haben in mittlerweile zehn Jahren über eine Million Menschen erlebt. Highlight: StaunenMachen
Die Magie des Varietés wie es ihn in dieser hochkarätigen Zusammenstellung akrobatischer Spitzenleistungen im Wintergarten Varieté noch nicht gegeben hat.
Vorstellungen bis 27.1.2007
Die Künstler
THOMAS OTTO, Conférencier und Zauberer
TOTONY FREBOURG einer der weltbesten Diabolo-Spieler, Jonglage in beeindruckenden, dynamischen Bildern.
MICHAEL MIKHELEEV, phantastische Schattenspiele
IRYNA BOUGLIONE, ungewöhn­liche Kombination aus betörender Artistik.
Ksena, Tanz-Jonglage mit von bis zu fünf Gymnastikbällen
Golden Power, Hand-auf-Hand Artisten
Antoine und Rocco, Hand-auf-Hand-Akrobatik
Cong Tian, einziger Mensch auf der Welt läuft er auf Händen, zeigt Jonglage mit bis zu 6 Ringen oder Überkopf-Einradfahren auf dem chinesischen Schlapp-Hochseil!
Achtung neue Spielzeiten!
Mo-Sa 20 Uhr, So 18 Uhr,
2.1. - 23.1.2007,
Mo & Di spielfrei
05. - 14.12.2006 jeweils
Di und Do um 17/21 Uhr
25. & 26.12.2006, 16/20 Uhr
Sa 30.12.2006 18/22 Uhr





10-jähriges Jubiläum:
ZIMT & ZAUBER
Das Varieté-Programm von Kindern für Kinder:
„Weißes Gold und
Flaschengeister“
„Weißes Gold und Flaschengeister“: Es ist zum Haare-Ausreißen: Trotz tausender Versuche hat es der Alchimist
Röttger immer noch nicht geschafft, Blei in Gold zu verwandeln. Dabei hat er es dem König bei seinem Leben versprochen! Mit seinem findigsten Flaschengeist macht er sich zum letzten Mal auf die abenteuerliche Suche nach einer erfolgreichen Rezeptur. Als erprobte Hilfsgeister mit Starqualitäten sind auch in dieser Produktion junge Nachwuchs-Artisten des Kinderzirkus Springling (vom Berliner Jugendzirkus-Projekt CaBuWaZi ) mit von der Partie.
Vorstellungen bereits seit Sonntag, dem 12.11. (11/14 Uhr).
Für Kinder bis einschließlich 15 Jahre familienfreundlicher Preis von ¤ 9. Erwachsene zahlen ¤ 14. Für Gruppen mit 4 Personen: Extra-Paket: ¤ 39

Vorstellungen:
So, 26.11., 3., 10., 17.12.,
jeweils 11/14Uhr

Das Kapitäns-Dinner
Air Service Berlin und der Wintergarten haben Großes vor: Gemeinsam legen beide Unternehmen ab Dezember ein neues, exklusives Produkt für Berlin-Liebhaber und solche, die es werden wollen, auf.
Das Kapitäns-Dinner - eine einzigartige Kombination aus Flug, Menü und Artistik. Im Wintergarten erwartet den Kunden eine kleine Führung. Danach folgt das exquisite mehrgängige Menü. Zum Abschluss wird die aktuelle Show des Wintergartens besucht.
Das Kapitäns-Diner ist sowohl für Einzelkunden als auch für Firmen und Agenturen zum Preis von 209,00 Euro pro Person buchbar.
Kontakt:
www.air-service-berlin.de oder 0180 5 708 708

Zu Gast im Schöneberger Pinellodrom
Berliner Stegreif-Bühne und Theater Tusdoch

Dr. Gerd Kienspan
Die Harry & Larry Show
Es ist eine hohe Kunst, der sich die vier Spieler/innen der Berliner Stegreif Bühne verschrieben haben: Improvisationstheater wie im eigenen Wohnzimmer, fast privat, ohne vorgefertigte Figuren, übertriebene Gags und Effekte. Ohne Requisiten, Kos­tüme, ohne Handlungsgerüst, ohne neckische Spielchen mit dem Publikum.
Aus dem Nichts heraus entsteht alles: Spannung, Emotionalität, Drama – und vor allem ein unvorhersehbarer und sich eben dadurch temporeich zu gnadenlosen Höhepunkten steigernder Witz. Aus Gesang, Pantomime, Komödie und emotionalem Schauspiel entwickeln sich diese magischen Momente, in denen das ungeheuer wache Zusammenspiel der Akteure ineinander greift wie bei einem minutiös geplanten Banküberfall.
Die Schauspieler/innen Carola Neitzel, Lazlo Stein und Boris Friese, die aus langjähriger Zusammenarbeit heraus im letzten Jahr die Berliner Stegreif Bühne gründeten, vereinigen in sich 27 Jahre professioneller Improvisationstheatererfahrung. Ihre Harry und Larry Show wird von Andres Atala Quezada kongenial am Piano begleitet.
Wenn die vier Künstler/innen schon jetzt in der Berliner Theaterszene keine Unbekannten mehr sind, dann haben sie mit der Harry & Larry Show eine Form gefunden, die, wenn es mit rechten Dingen zugeht, früher oder später einfach Kult werden muss.
Bei der Premiere in der theaterbar Mitte saß ich neben einer rothaarigen Mittvierzigerin, der man im Alltagsleben kaum übertriebene Gefühlsregungen zutrauen würde. In den stärksten Momenten der Show konnte sie sich vor Begeisterung nicht mehr auf ihrem Stuhl halten, und wie entrückt wiederholte sie immer und immer wieder die Worte: „Is ja Wahnsinn!“
Ja es ist Wahnsinn! Und wie sehr freut es mich als alteingesessenen Schöneberger, dass wir den jetzt auch hier im Kiez erleben können. Nämlich jeden zweiten Freutag(!) im Monat um 20 Uhr im Pinellodrom. Immer nach dem Motto: Ob großes Drama in der Besenkammer oder Liebesgeschichte auf dem Mond. Alles ist möglich.
Improvisationstheater deluxe.
Jeden zweiten Freitag im Monat im Pinellodrom, Dominicusstr. 5-9., 15.12. (ausnahmsweise), 12.01.2007, 9.02., usw., Eintritt: 12,- Euro (erm. 8,-/6,- Euro),
Kartentel.: 66 66 17 28




Feuer für Schöneberg
Es war ein großer Abend im Pinellodrom: Das Theater Tusdoch spielte Strindberg.
Wie jedes Jahr verbringen Knut und Kerstin den Urlaub mit ihrem Kind und Knuts Vater am Meer.
Doch die Situation ist keineswegs idyllisch: Der Vater nutzt ihre finanzielle Abhängigkeit aus, dessen Pflegerin macht aus ihrer Abscheu über den Lebensstil der beiden keinen Hehl, und auch ihre Ehe ist leidenschaftslos und geprägt von Zynismus und der großen Sehnsucht nach authentischem Leben. Da erscheint der gemeinsame Freund Axel zu Besuch und wird für beide zur Projektionsfläche ungelebter Phantasien.
Axel selbst ist in Kerstin verliebt und als die beiden sich ihre Gefühle gestehen, bietet sich die Möglichkeit zum Ausbruch. Aber anstatt durchzubrennen, beschließen sie, der Welt ein „Beispiel ehrlicher Menschen“ zu geben und fragen ausgerechnet Knut, was sie tun sollen.
In diesem selten gespielten Einakter behandelt der bedeutendste schwedische Dramatiker einmal mehr das Verhältnis zwischen Mann und Frau.
Während Strindberg das Stück allerdings als leichte Komödie angelegt hatte, wird in der zeitgenössischen Inszenierung von Bodo Gierga ein äußerst packendes Kammerspiel daraus:
Angesiedelt in der modernen Kunst- und Medien-Boheme, treffen in dem engen Raum des Strandhauses Träume und Lebenslügen aufeinander, geht es um Selbsttäuschung, aber auch die Freiheit, sein Leben zu jedem Zeitpunkt selbst zu bestimmen.
Mit: Yvonne Gallo, Ingo Behne, Silvia Kemper, Mathias Stiffel und Michael Brunhuber
Regie: Bodo Gierga
Infos und Reservierung: 0175/4753509,
theater_tusdoch@yahoo.de und
www.tusdoch.net

Kiezmeile: dg
Buchkritik: „Eine Perle im Sand“
Eine unerträglich unterhaltsame Geschichte über Preußen

Joachim Fernau, der 1988 verstorbene Publizist und Autor des Buches „Sprechen wir über Preußen. Die Geschichte der armen Leute“ wurde stets als konservativ geschmäht, was ihm jedoch – so gab er vor – schmeichelte. Wenn doch nur alle Konservativen so unterhaltsam wären! Einiges in seinem Preußenbuch von 1981 ist wahrlich unerträglich konservativ und eigentlich inakzeptabel, wie beispielsweise das äußerst schlechte Abschneiden der anderen Großmächte sowie die Anmaßung, eine Geschichte der armen Leute schreiben zu wollen und dann auf kaum zwanzig Seiten von über dreihundert auf sie einzugehen. Die armen Leute sind für Fernau die einsamen Hohenzollern-Monarchen und andere historische Persönlichkeiten, deren Charaktere er indes auf überaus unterhaltsame und kenntnisreiche Weise zu schildern weiß.
Nun ja, dies ist kein Geschichtsbuch eines Historikers, in dem Fakten die Interpretation bedingen, hier ist es umgekehrt, weshalb auf dem Einband auch zu recht bemerkt wird: Ein Preußen(!)buch eigener Prägung. Die eigene Prägung rührt aus Fernaus eigenem Preußentum sowie der Tatsache her, dass er sich nicht um political correctness bzw. den geschichtswissenschaftlichen Mainstream schert. Keine Frage: Dieses Buch ist an so vielen Stellen angreifbar, weil es dazu herausfordert und gerade deshalb ist es so unerträglich unterhaltsam.
Wie Fernau wiederholt den Protagonisten preußischer Geschichte Dialoge in den Mund legt und sie so zu Menschen wie du und ich macht, ist amüsant. Dabei schwankt Fernau immer wieder zwischen der vernunftgeleiteten Ablehnung von Krieg und Militarismus einerseits und der Rechtfertigung der auch von Preußen forcierten Waffengänge. Natürlich hat er nicht ganz Unrecht, wenn er behauptet, Preußen sei als mitteleuropäische Mittelmacht zu manchen Kriegen von außen nahezu genötigt worden, doch warum bitte lässt man so etwas zu? Doch nur, weil in Preußen – wie anderswo auch - ebenfalls die Militärs den größten Einfluss hatten.
Und wenn Fernau zum Ende seines Buches hin auch noch den Gedanken nahe legt, wenn auch nicht ausspricht, dass die faschistische Hölle von 1933 - 45 nichts mit der preußischen Geschichte zu tun habe und dass es die Alliierten gewesen seien, die 1945 dem Mythos Preußen ein unrühmliches Ende bereiteten, dann überwiegt doch der Ärger.





Fernau beginnt seine Reise bei den Burggrafen von Nürnberg, die vor 850 Jahren die Herrschaft im Kurfürstentum Brandenburg übernahmen. Das Land – ab 1701 als Königreich Preußen – wuchs zu einer europäischen Großmacht, bis es schließlich 1871 als mächtigster deutscher Staat in das geeinte Deutsche Reich aufging bzw. es vielmehr erschuf. Hier endet Fernaus Erzählung, obwohl es Preußen bis 1945 weiterhin als staatliche Einheit gab. Die nach 1871 liegenden Ereignisse, die zwar das Deutsche Reich, die Weimarer Republik und das „Dritte Reich“ als Siegel tragen, Preußen aber immerhin als einflussreichstes deutsches Land kennen, werden absichtlich ausgelassen, mutmaßlich, weil sie das Bild Preußens doch zusehends verdunkelt hätten.
Trotzdem: Was das Buch über die beschriebene Zeit hergibt, ist interessant und unterhaltsam, weil mit Anekdoten und erfundenen Dialogen Dinge veranschaulicht werden, die sonst nur nüchtern als Historie behandelt werden. Zudem erfährt man viel über die selbstverständlich auch vorhandenen positiven Entwicklungen und Nachlässe, die die preußische Geschichte ihren Nachfahren hinterlassen hat: Religionsfreiheit, effektive Verwaltung, Abschaffung der Leibeigenschaft usw..
Niemand, der sich mit der Geschichte Preußens noch nie beschäftigt hat, sollte dieses Buch in die Hand nehmen, geschweige denn lesen. Und wenn doch, dann nicht ohne daneben stets ein seriöses Geschichtswerk zum Nachprüfen bereitzuhalten. Alle Kenner Preußens hingegen dürfen sich über das Buch freuen, darüber lachen oder sich preußischblau (Uniform!) ärgern. So ist zumindest sichergestellt, dass niemand unberührt bleibt. Vielleicht entdeckt die eine oder der andere ja auch das Preußische in sich und kann dann wahlweise stolz oder peinlich berührt sein.


Joachim Fernau,
Sprechen wir über Preußen. Die Geschichte der armen Leute
320 Seiten, Kartoniert € 7,95. ISBN-10: 3548223362
ISBN-13: 9783548223360


letzte Änderungen: 29.11.2006 13:29