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Auch wer seinen Kiez liebt, möchte ab und zu die große weite Welt bereisen. Uns geht es nicht anders …
Zwischenzeitlich hat es sich ergeben, dass wir mit unserem neuen Kooperationspartner Air Berlin in jeder Ausgabe ein spannendes Reiseziel für Sie testen werden - aber welches zum Beispiel in Europa, wenn man spontan bucht?, fragten wir uns. Unsere Entscheidung fiel auf Rom. Zunächst einmal, weil der Reiseführer uns für Januar 20 Grad in Aussicht stellte und wir uns sofort im T-Shirt in einem Straßencafé wähnten. Außerdem ist Rom unser Meinung nach unterschätzt. Prag und Paris gelten als die romantischsten, London als die lebendigste, Amsterdam als die lockerste Hauptstadt. Rom ist das alles und noch viel mehr. Nachdem die Entscheidung gefallen war, begannen wir im Internet nach Hotels zu suchen und fanden zahlreiche Angebote, die uns sehr verlockten. Das reichte vom zum Hotel umgebauten Renaissance-Palast bis zur Frühstückspension in einem ehemaligen Kloster. Doppelzimmer inklusive Frühstück lagen allerdings bei 180 bis 230 Euro. Wir riefen an und bekamen vier Wochen vor dem Reisetermin mehrmals die Auskunft, dass alles ausgebucht sei. Dann stießen wir auf das Hotel Turner sowie auf eine Online-Buchungs-Seite, die uns das Hotel für 75 Euro für zwei Personen, inklusive Frühstück in Aussicht stellte. Dazu Bilder mit Zimmern voller Kronleuchter, Sälen voller Marmor und Gold, kurz ein Domizil, an dem Ludwig XIV. seine Freude gehabt hätte. Preis und Prunk passten nicht zusammen. Wir buchten und stellten uns innerlich drauf ein, dass das Hotel seine besten Seiten längst hinter sich gebracht hatte. Schließlich kam der Tag des Abflugs, und wir standen plötzlich an einem sonnigen Januarvormittag vor der Stazione Termini, dem Hauptbahnhof. Zu Fuß machten wir uns auf zur Porta Pia, wo sich das Hotel Turner befindet. Wir sind überzeugte Anhänger der Theorie, dass sich Städte am besten erschließen, wenn man sie zu Fuß durchquert. Mitreisende haben unsere Meinung nicht immer geteilt und uns nach 9-stündigen Fußmärschen beispielsweise durch Paris oft der Menschenschinderei beschuldigt. Rom eignet sich vorzüglich zur zweifüßigen Erkundung. Die Innenstadt mit ihren touristischen Highlights lässt sich bequem innerhalb von zwei Stunden durchqueren, und man wird mit der Entdeckung von interessante Fresken,
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Brunnen oder Fassaden belohnt, die ob der Fülle von offiziellen Sehenswürdigkeiten in keinem Stadtführer verzeichnet sind. Nicht zu vergessen das Bestaunen der Orangenbäume und der Pinien, die sich überall im Stadtbild wieder finden. Wer weniger Lust auf Gehen hat, kann gut die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Busse und die zwei Metrolinien verkehren häufig, kosten nur einen Euro, können allerdings zu den Hauptverkehrszeiten voll sein. Bevor wir im Hotel eincheckten, gönnten wir uns erstmal einen Caffè Latte in einem sympathischen Straßencafé direkt an der Porta. Nach der zweiten Runde wurde dieses zu unserem Stammcafé. Hier kommen wir zu einer Besonderheit, die Rauchern unter Ihnen nicht gefallen wird. In Italien ist das Rauchverbot in Gaststätten schon durchgesetzt. Ein Restaurant erkennt man in der Regel daran, dass sich Grüppchen von gestikulierenden, diskutierenden Rauchern vor dessen Tür versammeln. Wir empfehlen daher, sich ein sympathisches Café mit Tischen vor der Tür zu suchen, wenn man auf seine Zigarette zum morgendlichen Kaffee bzw. abendlichen Drink nicht verzichten will. Außerdem müssen Raucher daran denken, dass es Zigaretten nur in den eigens lizenzierten tabacchi-Lädengibt, ähnlich den Liquor Stores in den Vereinigten Staaten. Vorratshaltung empfiehlt sich also, wenn nicht ein 20minütiger Spaziergang zwischen Ihnen und Ihrer nächsten Zigarette stehen soll, wie es uns am Sonntagmorgen passierte. Das Hotel Turner war so prachtvoll, wie es auf den Bildern wirkte. Der Portier checkte uns ein und bestätigte den Preis von 75 Euro pro Nacht. Wir witzelten still: „Der meint wohl pro Stunde.“ Das Zimmer war gegen 12 Uhr zwar noch nicht bezugsbereit, wir stellten jedoch unsere Taschen im Empfangszimmer ab, wo das Hotel einen Computerarbeitsplatz mit kostenlosen Internetzugang für seine Gäste bereithält. Eine Hotelangestellte drückte uns einen Stadtplan in die Hand, umkringelte einige Bereiche und betitelte sie mit „Kultur“, „Shoppen“ und „Geschichte“. Ein wartendes Pärchen erzählte uns, dass der Vatikan aufgrund der Feiertage nur noch heute geöffnet sei. Wir ließen also unser Gepäck in der Ecke stehen, verzichteten auf eine Besichtigung des Zimmers und gingen nach dem Motto „immer gen Westen halten“ los.
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Knappe zwei Stunden später und nach unzähligen „oh, schau mal da, ich sehe den Petersdom.“ „Achtung, Motorradfahrer!“ erreichten wir den Petersplatz. Natürlich suchten wir die Stelle in der Mitte des Platzes, von der man den Eindruck hat, die vier Säulenreihen seien eine einzige. Die Kolonnaden sollen übrigens die schützenden Arme Gottes symbolisieren. Wir gingen die linken Treppen hoch und wurden gleich abgepfiffen. Eine lange Schlange wartete auf der rechten Seite, um die Taschenkontrollen - ganz wie am Flughafen - zu passieren. Der Petersdom, die größte Kirche der Welt, ist umwerfend. Wir bestaunten die Pieta … Eigentlich wollten wir im Anschluss gleich die Kuppel besteigen, aber wir zogen es dann doch vor, bei einem weiteren Café Latte unsere Eindrücke zu vergleichen. Am frühen Abend besichtigten wir die nahe gelegene Engelsburg. Ursprünglich ein Grabbau für Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.), später zur stärksten Festung Roms ausgebaut, war das runde Gebäude vielfach Schauplatz von Folterungen und Hinrichtungen und spielte in der Geschichte eine tragende Rolle. Uns überkam trotz der Schönheit mancher Säle, die immer wieder eine skurrile Mischung von religiösen und heidnischen Symbolen aufwiesen, ein Gefühl der Beklemmung, und wir waren froh, im romantischen, mit Hängepflanzen überwachsenen offenen Café ein Glas Wein zu trinken. Am nächsten Morgen spazierten wir durch Villa Borghese, den beliebtesten Park, genossen den herrlichen Blick über die Stadt, bestaunten die künstlichen Seen, die kleinen Tempel und die vielen Statuen. Dann hatte mein Begleiter genug vom Gehen und wollte unbedingt eine Pferdekutsche chartern und vorm Vatikan vorfahren. Wir gingen zum Piazza Popolo schauten uns die mächtige Porta del Popolo an, an der verschiedene „Visitenkarten“ angebracht sind, z.B. die sechs Kugeln der Medici und der Stern der Chigi. Wir bestaunten Kirche und Kloster Santa Maria del Popolo, die in vergangenen Jahrhunderten vielen Pilgern, unter anderem Martin Luther, Zuflucht gewährt hat. Die Kirche wurde an diesem Ort gebaut, da Kaiser Nero dort begraben liegt und lange spukte - so die Legende. Uns wieder an unsere wunden Füßeerinnernd, sprangen wir in den nächsten der kleinen Elektrobusse, die sich zügig und ohne die Umwelt zu verschmutzen durch den Verkehr winden. Der 119er fährt z.B. die Via del Corso zwischen dem Piazza Venezia und dem Piazza del Popolo entlang. Am Piazza Spagna stiegen wir aus und hatten wenig Lust auf die Massen von Touristen und Handtaschenverkäufern an der Spanischen Treppe und am Trevi-Brunnen (nicht vergessen ein Geldstück rein zu werfen, um sicher zu stellen, dass Sie das Schicksal nochmals nach Rom führt).
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Ein kurzer Abstecher zum Mausoleum des Augustus (eigentlich ein bewachsener Hügel mit konzentrischen Gewölbegängen, die zu den Grabkammern führen) und zum Tiber. Anschließend entschlossen wir uns wieder mit dem 119er zur Piazza Venezia zu fahren. Hier ist der Eingangsbereich zum Musei Capitolini mit seiner großartigen Sammlung antiker Skulpturen (z.B. der Sterbende Gallier und die römische Wölfin) sowie einer beeindruckenden Gemäldesammlung (Tizian, Caravaggio, Rubens).Gleich dahinter beginnt das Forum Romanum, das antike Rom. Spätestens da schwante uns, dass Rom nicht an einem Wochenende zu genießen ist. Wir beschlossen, wieder zu kommen und uns den vielen Sehenswürdigkeiten zu stellen, die wir dieses Mal nicht schaffen würden. Jetzt wollten wir erstmal zu Abend essen, und zwar in Trastevere, dem berühmten Ausgehviertel. So malerisch, wie angekündigt, erschien es uns nicht, allerdings hat man nach 24 Stunden Rom auch einen gewissen Sättigungsgrad erreicht. In einer sympathischen kubanischen Bar tranken wir einen Aperitif und machten uns dann auf die Suche nach einem Restaurant. „La Fraschetta“ in der Via S. Francesco a Ripa 134 ist unbedingt zu empfehlen. Wir bestellten „Abbacchio“, Lamm, eine römische Spezialität, mit Artischocken, dazu einen sizilianischen Rotwein, einen Nero D Avolo - und waren folglich nicht nur vom Ambiente begeistert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, das Restaurant war voll schwätzender gestekulierender Römer- und wir waren glücklich sowie zufrieden. Mit unserer Erkenntnis des verstrichenen Tages, dass wir wieder kommen müssen, beschlossen wir, den letzten Tag in Rom ganz in das Zeichen von Caffè Latte und der Kuppel des Vatikans zu stellen. Unbedingt sollte man sich im Vorfeld über die verschiedensten Öffnungszeiten informieren. Während der Petersdom täglich von 7-18 Uhr geöffnet ist, kann man die Kuppel in der Regel nur bis 17 Uhr besteigen. Das Vatikanische Museum macht in den Wintermonaten schon um 12.45 Uhr zu und bleibt an manchen Tagen, sogar an normalen Sonntagen, geschlossen. Rom, wir kommen wieder. Vielleicht zur Osterzeit, wenn der Papst die Stadt und den Weltkreis segnet oder sogar vom 21. bis 23. 04. 2007, wenn Touristen und Einheimische die Gründung dieser fantastischen und facettenreichen Stadt feiern. Romulus war es, der, nachdem er von einer Wölfin großgezogen worden war, im Jahr 753 vor Chr. Rom gründete. Der Aventine Hügel wird wie üblich von Kerzen hell erleuchtet sein. Es locken Paraden und Gladiatorenkämpfe, und die Museen verzichten während dieser drei Tage auf ihren nicht ganz unerheblichen Eintritt.
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